durchs Mordtal, übern Göttersitz … 16 km um Bad Kösen

Es soll Wanderer geben, die keine Rundwege mögen. Der Sinn des Wanderns wäre es ja, von A nach B zu kommen. Wer wieder nach A geht, wäre vergebens gelaufen …
Ich sehe dies nicht so. Wandern ist für mich vor allem die Art der Fortbewegung. Ohne weitere Hilfsmittel aus eigener Kraft die Gegend erkunden:

Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen! (Goethe)

Rundweg-Wanderer können mit einer kleinen Autofahrt ihren Wanderradius beträchtlich erweitern. Auch ohne aufwändige Übernachtungsplanung, zwingend einzuhaltender Tagesziele und erschwerender Gepäckmitnahme. Ich bin ein Rundwegfan!

Doch auch die Rundwegplanung macht Mühe. Nur selten entsprechen die Vorschläge, die man so im Internet findet, genau den eigenen Vorstellungen. Ich benutze dann gern Open-Street-Map (OSM), weil hier das Wegenetz dichter ist, als bei den kommerziellen Marktführern.
Zwar habe ich es auch schon erlebt, dass die eingetragenen Wege nicht mehr begehbar und Aussichtspunkte zugewachsen waren, aber viele Wege konnte ich nur in die Routenplanung einbeziehen, weil sie nur bei OSM zu sehen waren. Ich bin ein überzeugter OSM-User geworden – und die in den neueren Beiträgen gezeigten Karten sind deshalb alle von OSM.

Bei der Vorbereitung dieser Tour fielen mir ein paar Ortsbezeichnungen besonders auf:
Windlücke, Galgenberg, Geiersberg, Mordtal, Gespensterbuche, Göttersitz
Auch diese Vielfalt fand ich nur bei OSM in einer Karte (wenn auch in verschiedenen Zoom-Stufen – und leider nicht komplett auf der hier gezeigten Karte zu sehen).

Das Auto stellten wir wieder in der Zufahrt zum Fischhaus ab, liefen an Schulpforte vorbei und kamen über die Windlücke auf unseren Wanderweg in Richtung Geiersberg. Dort bewährte sich wieder die GPS-Handy-Navigation, denn die Ausschilderung entsprach nicht unserem Streckenwunsch. Viel unbeseitigter Windbruch lag herum. Trotzdem waren diverse Aussichten, die die OSM-Karte zeigte, in der Realität zugewachsen. Bei allem Mäkeln – der Wald gefiel uns!

Nach dem Kreuzen der Straße nach Kukulau trafen wir einen Forstarbeiter, der den Schonungszaun flickte. Er schien sehr besorgt wegen der Trockenheit. 1,50 m sei der Grundwasserpegel gefallen und viele Bäume können sich nicht genügend Wasser ziehen. Im Moment sehe alles wegen des frischen Frühlingsgrün gut aus, doch der Wald leide!

Weiter unten, an der Saale, wollten wir unbedingt zur Brückenabbruchstelle. Wann bekommt man so etwas schon zu sehen – oder vor die Linse! Freilich ist dies kein positiver Aspekt: 15 Jahre Halbwertszeit für eine Fußgängerbrücke über die Saale ist eigentlich beschämend …

In Bad Kösen fanden wir leider keine einzige Corona-konforme Rastmöglichkeit. Es wird aber heftigst an der Zukunft gebaut. Am Bad Kösener Wehr soll Ökostrom produziert werden und die Insel zwischen Saale und Kleiner Saale wird völlig neu gestaltet.

Auf unserem weiteren Weg zum Göttersitz gibt es einige Aussichtspunkte zurück auf Bad Kösen. Oben, auf der Randlinie, finden wird diese leider nicht mehr. Trotzdem ist der Weg sehr schön angelegt. Allerdings irritiert uns hier die sehr stark wahrnehmbare Trockenheit. Die Wege haben Trockenrisse wie im heißesten Hochsommer, es liegt viel Totholz im Hang und der Weg zu den Saalhäusern ist staubig. Eine weggeworfene Zigarette kann hier ein Inferno auslösen, das durch die warmen Aufwinde auch noch begünstigt wird.

Der Restweg zurück zum Auto ist unproblematisch. Auch hier begegnen wir keinerlei andernen Gleichgesinnten.
Diese Tour fanden wir schön genug, um sie noch einmal später zu wiederholen. Dann hoffentlich mit der Nutzung der vielen Einkehrmöglichkeiten am Wegesrand.