Es waren zwei anstrengende Foto-Tage: Der Tag der Bundeswehr in Weißenfels (am Samstag, den 6. Juni 2026) und der Sachsen-Anhalt Tag in Bernburg am Tag darauf.

Tag der Bundeswehr in Weißenfels

In diesem Jahr war Weißenfels der Hauptstandort zum Tage der Bundeswehr. Somit war auch der Verteidigungsminister vor Ort und konnte sich über die sehr gute Resonanz der Veranstaltung freuen. (Bemerkenswert, dass der Herr Pistorius als Verteidigungsminister anscheinend gleichzeitig der beliebteste amtierende Politiker in Deutschland ist.)

Gewimmel mit Anstehen auf dem Weißenfelser Markt.
Die Hauptattraktion ist ein Tornado-Kampfjet mit Selfie-Option.
Blick in die Feuerkammer.
Viel Betrieb – ich sagte es schon.
Einst gab es zwei große Brauereien in Weißenfels –
jetzt müssen wir uns von den Spaten-Soldaten aushelfen lassen – Witz 😉
Zwei Eurofighter zischen über die Weißenfelser Innenstadt.

Dabei bemerke ich, wie sich mehrere Leute die Ohren zuhalten. Ich kann mich noch deutlich an den Überschallknall erinnern, den die sowjetischen MIGs manchmal am DDR-Himmel fabrizierten. Ich glaube, da wären hier einige auf dem Marktplatz vor Schreck umgefallen.

Eine Eurofighter-Schlossturmrunde.
Die Luftwaffe hat ca. 140 Stück Eurofighter in Betrieb.
( https://www.bundeswehr.de/de/organisation/luftwaffe )
Auf dem Weg zum nächsten Veranstaltungsort, den Weißenfelser Badanlagen.
Viel Trubel an der Pfennigbrücke.
Einlasskontrolle an den Badanlagen.
Militärtechnik, die ich noch nie gesehen habe
Immer auch mit Wappen und den legendären Bundeswehrabkürzungen.
Dicker Brummer mit Inkontinenz-Problemchen.
Kann man im Katastrophenfall gut gebrauchen.
Das Versprechen heißt: Wir lassen niemanden zurück!
Was ist denn hier los?
Der Notausgang wird beschossen. (?)
Es wurde zurück geschossen …
Jegliche Situation bei einem Gefecht hat einen entsprechenden Eintrag in der Dienstvorschrift.
Die Zuschauer bekommen das alles live erklärt.
Blick von der Pfennigbrücke auf den Bootsanleger.

Nach einem solchen Trubel-Tag in Weißenfels schaue ich mir auch die Berichterstattung im MDR bei „Sachsen-Anhalt Heute“ an. Doch was muss ich da sehen?:

Völlig unnötigerweise verfälscht der MDR sein Aufmacher-Bild. Ich kann echt nicht nachvollziehen, wie und warum so etwas passiert. In einer Nachrichtensendung hat solcher (KI?) Müll nichts verloren!

Bin ich zu sehr ein Sensibelchen, wenn ich hinter all dem Feier-Gedöns Vorbereitungen für eine Zeitenwende wahrnehme? „In zwei Jahren haben wir Krieg mit den Russen.“ – „Nein, erst in vier Jahren.“ – „Na dann ist ja gut, da haben wir noch genügend Zeit, um kriegstüchtig zu werden.“ Geht’s noch?!
Wieso bekommt die deutsche Politik keine langfristig wirksame, sinnvolle Wirtschaftspolitik hin und meint nun, dass massive Aufrüstung eine gute Wirtschaftsförderung sei? Und der Osten ruft „Ja, lasst uns auch mitmachen!“ Ich fasse es nicht!

Deutschland braucht seine Bundeswehr, da gibt es keine Widerrede meinerseits. Aber bitte in sinnvoller Dimensionierung und klarem, ausschließlichem Auftrag zur Landesverteidigung. (Und zur Hilfe im Katastrophenfall.) Alles Andere ist Verschwendung von Volksvermögen und dient nicht dem Erhalt des Friedens oder gar des Wohlstandes.

Sachsen-Anhalt Tag (SAT) in Bernburg

Vor zehn Jahren waren wir zuletzt in Bernburg ( https://schaufoto.de/bernburg-ostersonntag-2016/ ) und ich war richtig neugierig, wie sich die Stadt weiter entwickelt hat. Resümee: Bernburg gefällt mir in der Innenstadt besser als meine Heimatstadt Weißenfels. Und dies hat nichts mit Herausputzungen zum SAT zu tun, im Gegenteil. Die Menschenmassen und das dazugehörige Getöse führten bei mir recht bald zum „Genughaben“ und ich suchte eher ruhige Ecken. Bernburg scheint etwas bewahrt zu haben, was immer seltener wird: eine gut funktionierende, intakte Innenstadt. Und die Bernburger würdigen dies auch. Im Gespräch mit Einheimischen bemerkten wir zufriedenen Heimatstolz.

Aber erstmal SAT: Wir sind mit dem Auto da und benutzen „P3“ inklusive Shuttlebus. Wer sich nicht auf den Shuttleservice einlassen will, steht gnadenlos im Stau. Das Festgelände wird weiträumig organisatorisch in Schach gehalten.

Die Bundeswehr ist auch auf dem SAT 2026 sehr präsent. Bezeichnenderweise in der Friedensallee. Meine Bilder zeigen bei weitem nicht das ganze Ausmaß, denn ich habe noch genug vom Vortag.

Leopard zwischen Spielhalle und Deutschlandfahne.
Im Hintergrund: „Mach, was wirklich zählt: SOLDAT/IN DER PANZERGRENADIER TRUPPE (M/W/D)“
Der Festumzug beginnt.
Passt irgendwie: „hasta la vista“ (Baby) (Schwarzenegger)
(Ich entschuldige mich gegenüber dem Spielmannszug, ihr habt damit nichts zu tun – aber das musste sein.)
Bunte Fahnen im Sommerwind.
Frohsinn mit Lautstärke
Mir verdreht es die Augen nach oben. Mehr Festumzug ertrage ich jetzt nicht mehr …
„Die süße Ecke“ scheint beim SAT nicht mitmachen zu wollen.
Der Bootsanleger hat viel weniger Resonanz als er in Weißenfels hatte.
Interessante innerstädtische Flusslandschaft.
Der Bärenzwinger am Schloss. Seit 2018 ohne echte Bären.
( siehe: https://schaufoto.de/bernburg-ostersonntag-2016/ )

Und schließlich will ich mir nur noch ein ruhiges Plätzchen zum Ausruhen suchen. Zum Beispiel in der Schlosskirche St. Aegidien. Doch richtig ruhig ist es dort auch nicht. Es findet gerade eine Probe statt – und die ist interessant! Es schließt sich der Themenkreis mit dem Oratorium „Odyssee“; aus dem Begleitprogramm:

Homers „Odyssee“ erzählt als antikes Epos von den Irrfahrten des griechischen Königs Odysseus, der nach dem Sieg bei Troja Abenteuer mit Zyklopen und Zauberinnen, Meeresungeheuern und Sirenen erlebt. Im Oratorium des Komponisten Christoph Reuter und des Librettisten Andreas Hillger wird daraus die Geschichte eines heutigen Soldaten, der aus einem fremden Krieg heimkehrt und vergeblich nach Halt in seinem alten Leben sucht.

Das ist nicht bei der Probe, sondern später bei der Aufführung.
mit viel Aufwand, modern & klassisch – hörenswert!
Tagesausklang vor Bernburger Kulisse.
Bernburg ist für uns einen weiteren Besuch wert!

Trotz aller Bedenken meinerseits können ohne Zweifel beide Events aus Sicht der Veranstalter als Erfolg verbucht werden. Die Besucherzahlen waren größer als erhofft, das Wetter spielte hervorragend mit, die allgemeine Atmosphäre empfand auch ich als wohltuend unaufgeregt und gelassen. Und trotzdem wollte sich bei mir keine Volksfestlaune einstellen …

Nachtrag (weil es passt):

Der Krieg von Opa Fritz

Ich war so zwischen 10 und 15 Jahre alt, da gab es einen Moment, wo ich mit meinem Opa Fritz allein in der Stube saß und ich ihn fragte, wie das so war im Krieg, dem zweiten Weltkrieg. Bis dahin hatte er noch nie über diese Zeit geredet – und er wollte auch jetzt nicht so richtig heraus mit der Sprache. Der Krieg war lange aus und vorbei und es sei ein großes Glück gewesen, dass er wieder nach Hause kommen konnte. Es war, als hätte er geschworen, über diese Zeit nie zu reden. Als hätte er Angst, sein Glück noch nachträglich zu verspielen.

Doch ich ließ nicht gleich locker und fragte nach, wo er denn im Krieg gewesen sei. Das erschien ihm wohl erstmal unverfänglich. Konnte er doch über seine erste Stationierung in Dänemark, in einer Flak-Stellung, nichts Schlimmes berichten. Es ging ihm dort gut – und der Krieg war eigentlich ganz weit weg.

Doch im Frühjahr 1944 wurde seine Einheit an die Ostfront verlegt: Auf die Krim bei Sewastopol. Kaum angekommen, gerieten sie gleich in Gefangenschaft. Mein Opa sagte, er hätte im ganzen Krieg nicht einmal auf einen Menschen geschossen. Und das war ihm wohl sehr wichtig.

Er erzählte noch, wie sie in langer Kolonne zum Gefangenenlager marschierten und wie in einer Ortschaft links und rechts die Russen standen und „Russische Knüppelsuppe“ austeilten. Auch wurde ihnen alles noch irgendwie Verwertbare abgenommen. Mein Opa zerriss sich seinen Winterpullover, damit er ihn behalten konnte.

Über die Gefangenschaft selbst erzählte er nur, dass sie zur Ernte in den Obst-Plantagen eingesetzt wurden. Dazu mussten sie auf die Bäume klettern und durften erst auf Befehl wieder herunterkommen. Die Chance, sich dort oben vollzufressen, hat wohl niemand vertan. Viele bekamen Durchfall (und Schlimmeres) und schissen von den Bäumen.
Den Bewachern selbst ging es übrigens kaum besser, meinte mein Opa. „Die haben auch Hunger geschoben und hatten nichts, außer dem, was sie bei sich hatten.“

Wie es im Gefangenenlager zuging, auch unter den Deutschen intern, wie sie verhört wurden und wie entschieden wurde, wer frei gelassen wird … die vielen auf der Hand liegenden Fragen zu diesem Thema wollte dann mein Opa nicht mehr beantworten. Es war wohl doch alles viel zu schlimm, als dass man es seinem Enkel nach 30 Jahren einfach erzählen könnte. Und es wäre garantiert auch sehr kompliziert geworden. Lebten wir doch schon wieder in einer Diktatur mit klarem Feindbild. Was in der Geschichte passiert ist und was wir aus der Geschichte lernen sollten, bestimmten andere – nicht mein Opa. Sein Schlusssatz war: „Krieg ist Scheiße und wir sollten alles dafür tun, dass es nie wieder Krieg gibt!“
Dagegen kann doch niemand etwas sagen – oder?

Mein Opa ließ sich nicht noch einmal dazu verleiten, von seiner Kriegszeit zu reden. Und genau das macht mir noch heute am meisten Angst!