Zwei Opernhaus-Besichtigungen (Teil 2)

Manche nennen den Bau „die Scheune“, andere „die Bretterbude“. Trotzdem: ohne Zweifel bietet das Haus eine ausgezeichnete Akustik und ist, so wie es Richard Wagner wollte, optimiert für die Präsentation seiner Musikdramen.

Das Festspielhaus-Innere ist nur geführt erkundbar. Aber nicht während der Festspielzeit, die in der letzten Juliwoche offiziell startet und fünf Wochen dauert. Davor gibt es immer fünf Wochen intensiven Probebetrieb. Das Festspielhaus wird also lediglich 10 Wochen im Jahr und ausschließlich für die Richard Wagner Festspiele genutzt. Es gibt einen kleinen Stab fest Angestellter, die sich übers Jahr um den Erhalt des Hauses, die Vorbereitung der nächsten Festspiele und die Besucherbetreuung kümmern.

Wir erlebten eine angenehme, informative Führung, die jegliche (vielleicht) befürchtete Wagner-Schwere vermissen ließ. Fazit: Dies ist ein Haus der Kunst und des Könnens. Die verwirklichte Vision des Meisters selbst, um seine Werke bestmöglich aufführen zu können.

Das Bayreuther Festspielhaus

Übrigens, zur Festspielzeit – also im Hochsommer – sitzt hier unten niemand im Frack. Man ist nicht zu sehen und damit unter sich – kann sich also leger kleiden. Der Dirigent zieht sich, bevor er zum Schlussapplaus auf die Bühne geht, extra neu an.

Wie beneide ich da die Norweger, die ihren Nationalstolz ohne wenn und aber mit der Musik des Edvard Grieg verbinden können. (Der übrigens auch in Leipzig sein Handwerk lernte und sogar bei der Einweihung des Festspielhauses anwesend war.)

Wer noch mehr Wagner wagen will, dem steht die Wagner-Villa „Wahnfried“ samt angeschlossenem Museum am Hofgarten Bayreuth offen.