Der Frust kam plötzlich und saß tief: Drei Wochen nach unserem Norwegen-Urlaub war ich immer noch nicht durch mit den Urlaubsbildern. Freilich hatte ich auch etwas anderes zu tun – aber meine Frau war mit ihren Handybildern tagesaktuell fertig geworden. Für sie war alles lange abgehakt und sie fragte mich, wo denn meine Bilder bleiben …
Und fürs Posten waren ihre Bilder doch gut genug. Wieviel besser müssten dann meine Bilder sein, wenn sie diese lange Bearbeitungszeit rechtfertigen wollen!?
Uff! Ich kann dies zwar durchaus an meinem 32 Zoll IPS-Bildschirm überzeugend zeigen. Doch auf dem Handy und auch im Fotobuch gelingt dies nicht unbedingt so.
Also sollte ich vielleicht doch mal ausprobieren, ob die aktuelle Foto-Handy-Generation mich überzeugen kann?
Bis dahin hatte ich ein GOOGLE Pixel 6a. Ich hatte es mir im Juni 2023 zugelegt – auch schon mit dem Fokus auf die besseren Foto-Ergebnisse. Aber ich war nicht bereit, in den oberen dreistelligen Euro-Bereich zu gehen – geschweige denn, noch darüber. (Was damals durchaus schon üblich war. Das Pixel 6a war ein Auslaufmodell.)
Da liefen über meinen YouTube-Bildschirm zufällig zwei mir (über diesen Weg) schon lang bekannte Fotografen mit der Botschaft: „Ja, jetzt ist es soweit, die Handy-Fotografie kommt in Bereiche, wo sie zur Konkurrenz der üblichen Apparate-Fotografie wird.“ Oha!
Es ging dabei um das XIAOMI 15T Pro – was ich dann kurz entschlossen als early Adaptor kaufte. (Ich bin ein Werbe-Opfer, ich weiß.)
Folgend also meine Erfahrungen mit dem XIAOMI 15T Pro im Vergleich mit dem GOOGLE Pixel 6a. Aber auch im Vergleich mit meiner NIKON Z50 II – was unfair ist, aber so sein muss, weil ich ja von außen danach gefragt werde.
Es handelt sich dabei nicht um objektivierte Versuchsanordnungen, sondern um meine persönliche Meinung, die auf meiner bisherigen Praxis mit der Technik beruht. Sollten sich in der Zukunft Meinungs-Änderungen ergeben, so werde ich diese hier (nachträglich) kundtun.
Erstkontakt
Wo mein Handy herkommt, ist mir egal. (Ich würde ja gern eins aus Deutschland nehmen, aber …) Also hatte ich auch keine China-Hemmung – noch dazu, wo dieses Handy mit ausgewiesenem deutschem Foto-KnowHow daherkommt (LEICA).
Ich weigere mich, hier ein Out Boxing-Video zu zeigen – aber so viel sei gesagt: Die schlichte weiße Schachtel und alles andere drumherum erinnert stark an den Style von Apple und ist wohl auch so gemeint. Man soll merken, dass man es mit einem Premium-Produkt zu tun hat! Nun gut, es war auch teuer genug.
Im Gegensatz zu Apple, finde ich es da ganz angenehm, dass man auch eine schon montierte Schutzfolie auf dem Bildschirm bekommt und ein (schlichtes) Case fürs Ganze dabei liegt.
Was mir sofort gefällt, ist die Anmutung in der Hand, die Geschwindigkeit der Reaktionen und der Bildschirm. So ein Handy hatte ich bis jetzt noch nicht.
Auf Foto-Tour: 6 direkte Vergleiche
Mein Augenmerk bleibt der fotografische Aspekt. Kann ich mit diesem Handy meine bisherige Fototechnik ersetzen?
Dazu unternehme ich an einem trüben Oktobertag eine vergleichende Foto Tour – also mit der NIKON Z50 II (mit Kit-Objektiv 18-140) und dem XIAOMI 15T Pro. (Das PIXEL 6a nehme ich nicht mit, da es keinen optischen Zoom hat. Der „Finger-Spreiz-Zoom“ ist ehrfahrungsgemäß für mich inakzeptabel in der Qualität.)
Es werden immer bearbeitete und in der Auflösung heruntergerechnete Bilder gezeigt. Was der Objektivität widerspricht. Aber es geht mir ja auch um die Verwendbarkeit in meinem SCHAUFOTO.de. Fangen wir einfach an:












Nach dieser Vergleichstour war ich durchaus positiv überrascht. Vor allem das optische Zoom, was ich immer nur in vorgegebener 2fach-, oder 5fach- Verlängerung benutzte, konnte richtig überzeugen. Auch, weil die Stabilisierung so gut funktioniert.
Folgend nahm ich nur noch mein neues Foto-Handy und probierte aus, wie es mir gefällt, ohne Fototasche (samt „richtiger“ Kamera) auszukommen. Ein paar weitere Beispiele:
(Alle Bilder waren ursprünglich JPGs, die dann in Lightroom leicht bearbeitete wurden.)



(Heinrich Schütz Musikfest 2025, Stadtkirche St. Marien, 11. Oktober, Schlussapplaus)





(In dieser Qualität ein unmöglich machbares Bild mit dem PIXEL 6a.)
Bis hier hin klingt es vielleicht so, als würde ich meine Kameras alle verkaufen wollen. Doch dies ist überhaupt nicht der Fall! Denn nach wie vor können die Handybilder technisch gesehen nicht mithalten: Meine NIKON-NEFs lassen sich viel weitreichender bearbeiten – und in Sachen Auflösung fühle ich mich sogar veralbert.
Wie ist das mit der 50 MP-Handy-Auflösung?
Denn da wurden immer wieder die mit 50 Megapixel auflösenden Sensoren im Tele- und im Hauptobjektiv hervorgehoben. 50 MP in solch einer kleinen Schokoladentafel? Wozu renne ich da noch mit meiner schuhkartongroßen APS-C Kamera herum, die hat ja nur mit Ach und Krach 20,1 MP!?
XIAOMI nennt es „4-in-1-Superpixel“, andere nennen das Prinzip „pixel binning“. Fakt ist, man bekommt die volle Auflösung des Sensors nur zu sehen, wenn man explizit in den Pro-Modus wechselt. Ich habe dies natürlich auch ausprobiert, bin aber von der damit erreichbaren Bildqualität nicht begeistert. Auch die angebotene RAW-Abspeicherung (DNG) konnte mich nicht überzeugen. Der Bearbeitungsspielraum ist gefühlt wesentlich schlechter, als bei meiner NIKON. Entrauschen funktioniert mit Lightroom nicht besonders gut. Und dann wiegt jedes Bild auch noch 95 MB … da schmeiße ich ja mit dem Schinken nach der Wurst.
(Und ich wollte ja auch nicht mehr so viel Nachbearbeitungszeit investieren.)
Somit haben die Bilder, die mit meinem 50 MP-Handy gemacht werden, lediglich 12,5 MP Auflösung. Diesen Stand hatte ich im Jahre 2009 mit meiner NIKON D90, (https://schaufoto.de/foto-video-technik-story/), oder später mit dem Pixel 6a.
Womit wir wieder bei der leidigen Diskussion sind, wieviel Auflösung man braucht … Doch dazu habe ich an dieser Stelle überhaupt keine Lust – deshalb hier nur Bilder, die von vornherein fürs Internet gemacht wurden, ohne Pixel-Peeping.
GPS? – Voll daneben!
Und noch ein Ärgernis stellte sich heraus: In meine Handy-Bilder lasse ich schon immer die GPS-Daten des Aufnahmeortes schreiben. Es macht mir Spaß, in meiner Haupt-Foto-Bibliothek (mit EXCIRE, https://schaufoto.de/aufbau-meiner-bildverwaltung-teil-2/ ), die Bilder anzeigen zu lassen, die über die Jahre hinweg an einem bestimmten Ort gemacht wurden. Mit den Handybildern ging das immer besonders einfach, weil die eben die GPS-Daten schon drin hatten. Und freilich waren diese Daten nicht immer ganz korrekt. Da gab es durchaus auch mal Fehlpositionierungen von 100 m.
Mit meinem neuen Super-Handy sind die Abweichungen wesentlich größer. Vor allem in freier Landschaft habe ich Abweichungen von bis zu 5 km gemessen! Wie es scheint, kommt es dabei auch darauf an, wie schnell man ein Foto nach Einschalten der Kamera macht. Was ja durchaus verständlich ist … aber so voll daneben, finde ich bei dem Selbstanspruch des Handys voll daneben! Ich hoffe sehr, dass das noch besser wird!!
Fazit
Ja, wie denn nun? Werde ich zum Handy-Knipser?
Ein bisschen mehr als vorher wohl schon. Es macht Spaß, den Weitwinkelbereich ohne Qualitätsverlust verlassen zu können. Beim Leute-Knipsen funktioniert die Fokussierung richtig gut und schlechte Lichtverhältnisse werden erfreulich souverän weggesteckt. Trotzdem werde ich, wenn es mir darauf ankommt, weiterhin die „richtige“ Kamera benutzen – und es gut finden, auch mit dem Handy brauchbare Fotos aufnehmen zu können, wenn ich die große Knipse nicht mit habe.
Beiträge von 2025, die komplett mit Handy-Bildern bestückt wurden:
https://schaufoto.de/dunkelbunt/
https://schaufoto.de/saaleck-rudelsburg-im-herbst-2025/



