Foto-Video-Technik-Story

50 Jahre selbst erlebte Technikgeschichte

Es war 1968, da habe ich mein erstes Foto selbst gemacht. Das heißt, die Pouva Start in Anschlag gebracht, die Luft angehalten, den Bildausschnitt bestimmt und abgedrückt. Nach vier Wochen war klar, das Bild war gelungen – es ist noch heute im Familienalbum zu finden.

Von Alfred from Germany – Pouva Start, CC BY-SA 2.0
Werbung aus dem Jahr 1959

Mitte der Siebziger kam ich als Lehrling erstmals zu Geld. Ich war der Meinung, dass es viel besser sei, die Realität im Film, statt im Foto einzufangen. Und so legte ich mir eine Super8-Kamera zu. Eine LOMO 214 („made in USSR“). Doch ich war recht bald von der Qualität, von den hohen Kosten und dem noch höheren organisatorischem Aufwand beim Filmemachen und Filmezeigen enttäuscht.
Sogar mit „Tonfilm im Zweibandverfahren“ (ein Tonband lief gleichzeitig mit dem Projektor) habe ich mich abgemüht … aus heutiger Sicht einfach nur traurig.

Allerdings sind auch diese Oldies nicht ins Vergessen geraten. Im letzten Jahr entschloss ich mich, für die HD-Digitalisierung der alten Super8-Spulen, ein paar Hunderter auszugeben. Von dem gelieferten Ergebnis war ich dann schon begeistert. (Eigene Digitalisierungsversuche sind nur Zeitverschwendung.)
Das sah sogar besser aus, als mein Original! Da habe ich mich gleich hingesetzt und einen alten Film neu geschnitten und nachvertont. Den Film gibt es auf meinem bescheidenen YouTube-Kanal:

In den 1970/80ern bekam man die beste Farb- und Auflösungsqualität mit DIAs – so war jedenfalls meine Meinung nach einem Dia-Abend bei einem Kumpel. (Siehe auch hier: DIA-Sammelsurium (demnächst auch wieder mit Link …)
Also musste es eine gute Spiegelreflexkamera werden, zum Beispiel eine Praktica L2. Diese hatte zwar noch keine Innenlichtmessung, aber es war schon eine echte Spiegelreflex: What you see, is what you get (Wenn du alles richtig machst und Glück hast …)

PRAKTICA L2
PRAKTICA L2 – Ein Klassiker!
PRAKTICA L2
PRAKTICA L2 – Ganz schlicht von hinten.
PRAKTICA L2
PRAKTICA L2 – Aufgeklappt. Das rechts an der Klappe ist nicht der Sensor, sondern die Filmandruckplatte.
PRAKTICA L2
PRAKTICA L2 – Alle Bedienelemente im Blick.
PRAKTICA MTL 5
PRAKTICA MTL 5 – Mit neumodischem Vario-Objektiv.

Die Innenlichtmessung kam dann irgendwann in den 80ern dazu: Praktica MTL5. Eine feine und begehrte Kamera, die man mir dann auch promt bei einer Jugendtourist-Reise in Moskau klaute. Doch die (damals staatliche) Versicherung war gnädig und ersetzte mir den finanziellen Schaden vollständig. Die zweite MTL5 war auch nach der Wende noch lange mein Begleiter. Der Kauf eines „Vario-Objektives“ verlängerte die Lebenszeit der alten Praktica bis ins digitale Zeitalter.

Gleichzeitig ließ ich das Filmen nie ganz. Als meine Kinder noch klein waren (das war zur hohen Zeit der VHS-CamCorder, wobei ich Video8 bevorzugte), da nahm die Filmerei sogar mehr Platz ein, als die Fotografie. Zwar nervten wieder die technisch bedingten Unzulänglichkeiten beim analogen Schnitt, doch es war durchaus ein Fortschritt: Konnte man sich doch die Ergebnisse sofort ohne großen Aufwand auf dem (Röhren-)Fernseher ansehen. (Und später bereitete die selbstgemachte Digitalisierung der Aufnahmen keine Probleme.)

SANYO VM-D6P – Video8

Mit der Anschaffung eines Digital8-Camcorders von Sony begann endlich der direkte Videoschnitt am Computer und das Zeitalter der DVD. Zwar waren Rechenleistung und Speicherkapazitäten meiner Computer dafür damals grenzwertig, aber es funktionierte auf einem erfreulichen Qualitätsniveau.

Mit Sony wird es Digital8. (Hier mit zusätzlichem Weitwinkelvorsatz und Richtmikrofon.)
Erste digitale Schnittversuche.

Der später angeschaffte (und von mir sehr geliebte) DV-CamCorder Canon XM2 rentierte sich gleich mit dem ersten Auftragsvideo. So hätte es weitergehen können 😉 Doch ehe ich den Unterschied zwischen HD und FullHD begriff, waren schon wieder mehrere Entwicklungsschritte an meinem Technikpark vorbeigegangen. Video ist und bleibt eben in allen Belangen aufwändiger als Foto.

Canon XM2
Canon XM2 – Ein wunderbarer Vertreter der Henkelmannklasse.
Meine Canon Historie in Sachen Video. (… und FullHD ist auch schon wieder out …)

Und damit zurück zur Fotografie. 2001 war es soweit: Digital sollte es weiter gehen. Mit einer Kodak DC4800.

Verpackung der Kodak DC4800

Doch recht bald war ich ziemlich ernüchtert. Was für eine simple Knipse! – Allerdings muss ich noch zur Ehrenrettung anmerken, dass diese Kamera durchaus auf der Höhe der Zeit stand. Die 3MP-Bilder, die ich damit machte, kann ich noch heute ohne Scham vorzeigen. Viel mehr war eben damals auf digitalem Weg nicht drin.

Kodak DC4800
Kodak DC4800 – Meine erste digitale (Foto)Kamera.
Kodak DC4800
Sogar mit aufklemmbarer Gegenlichtblende (Zusatzzubehör)
Kodak DC4800
… und mit aufgeschraubtem Weitwinkelvorsatz.
Kodak DC4800
Autsch!

Also kaufte ich mir – „für Zwischendurch“, wie ich heute weiß – nochmal eine analoge Spiegelreflex, eine Minolta. Da fand ich wieder das vermisste Spiegelreflex-Handling, gepaart mit einem schnellen Autofokus. Wunderbar! Doch leider auch wieder mit steigenden Kosten bei steigenden Bilderzahlen.

meine Zwischendurch-MINOLTA

Doch dann wurde es mit DIGITAL wirklich ernst. Ich entschied mich für die Sony DSC-F828. Acht Megapixel – was für ein Hammer! Die Bilder waren aus dem Stand besser, als alles Andere davor – ich war begeistert! Die heutzutage nicht akzeptablen Probleme mit der chromatischen Aberation störten mich nur am Rande. (Heute kann man diese Farbränder mit zwei Klicks in Lightroom eleminieren.)

Chromatische Aberation in Reinkultur.
SONY Cyber-shot DSC-F828
SONY Cyber-shot DSC-F828 – Innovatives Outfit mit fettem ZEISS-Objektiv …
SONY Cyber-shot DSC-F828
… leider ist sie irgendwann mit Übertragungsproblemen zwischen Objektiv und Kamera ausgestiegen.

Und trotzdem: Spiegelreflex blieb immer noch das non plus ultra!! Es sollte endlich eine Canon sein, eine Canon EOS 400D.
Mit dieser Kamera kam ich anfangs nur schlecht klar. Von der Sony durch die gut funktionierenden Automatiken versaut, hatte ich nämlich das eigentliche Handwerk verlernt. Mit der Canon kam ich erst zu guten Ergebnissen, als ich mich wieder auf das Zusammenspiel von ISO-, Farbtemperatur-, Blenden- und Belichtungswerten besann.

Canon 400D
Canon 400D – Mit Batteriegriff und Kit-Objektiv.
Canon 400D
Mit glücklosem Tamron-Zoom.

Doch irgendwie sollte es mit Canon auf Dauer nichts werden: Mit dem dazugekauften TAMRON gab es zunehmend Probleme mit der Schärfe im linken Bildbereich. Die Optiken von Canon waren mir aber echt zu teuer … da traf ich nach vielen Jahren zufällig einen alten Bekannten. Einen ausgewiesenen Nikon-Fan, der mich innerhalb von ein paar Minuten vom innovativen Handling einer Nikon überzeugen konnte.

Eine D90 wurde meine erste Nikon. Ein Traum von einer Kamera im Kaufjahr 2009.
Mit dieser Kamera begann ich dann auch (endlich) meine Bilder in RAW abzuspeichern. Die D90 habe ich noch heute in aktivem Betrieb – wenn auch nicht mehr so oft.
Vor allem durch meine Luftbildflüge wuchs immer mehr der Wunsch nach höher aufgelösten Bildern. Denn die 12 Megapixel der D90 sind gut – 24 Megapixel sind aber garantiert besser! Nikon brachte mir mit der D5200 den bezahlbaren Einstieg in diese Auflösungsklasse. Die D5200 sieht sich zwar selbst unterhalb dem Zielgruppenniveau der D90, ist aber technisch tatsächlich deutlich darüber. Ein bisschen sauer war ich, als kurz nach meinem Kauf schon das Nachfolgemodell herauskam. Alle hackten auf der „alten“ D5200 herum … heute weiß ich es besser: Die D5200 ist eine bewährt gute Kamera, die ich noch immer gern benutze.

NIKON D90
NIKON D90 – Mit dem (Kit-)„Immerdrauf“.
NIKON D5200
NIKON D5200 – Mit den mitgekauften Kitobjektiven.
NIKON D5200
NIKON D5200 – Wieso es solche Bildschirme in der Profiklasse nicht gibt, bleibt mir ein Rätsel.

Und wieder geht die Story weiter. Ich sah jemand mit einer FUJI X-T10 (16MP) Bilder machen, die mich staunen ließen. Sowas geht mit dieser kleinen Knipse?! Die Zukunft wird ja spiegellos sein. Warum also nicht bei FUJI preiswert einsteigen, um es auszuprobieren? So richtig preiswert wurde der Einstieg dann mit 899 Euro zwar nicht, aber ich bekam dafür neben der Kamera noch die rundum-sorglos-Kit-Objektive Fujinon XC 16-50 mm und XC50-230 mm. Und wer jetzt denkt „Igitt, bitte kein Kit!(Objektiv)“ liegt falsch. Ich habe jedenfalls an diesen Gläsern nichts zu mäkeln!

FUJI X-T10
FUJI X-T10 – Mit angeschraubter Griff-Schnellwechselplatte.
FUJI X-T10
So geht das mit der Griff-Schnellwechselplatte.
FUJI X-T10
Alles dran.
FUJI X-T10
Auch was für Angeber.

Nach einem halben Jahr Benutzung kristallisierten sich dann aber doch ein paar Mäkelpunkte heraus: Die Kamera wollte mir insgesamt im Handling einfach nicht richtig gefallen. Erstens ist sie mir zu klein. Ohne die dazugekaufte Griff-Schnellwechselplatte wäre ich noch schlechter klar gekommen.
Zweitens sind die vielen kleinen Einstellrädchen zu anfällig für ungewollte Verstellungen, die man im Eifer eines „Fotogefechtes“ nicht unbedingt gleich bemerkt. Durch solchen Mist habe ich mehrfach Aufnahmen verloren – das geht gar nicht! (So etwas ist mir bis dahin noch nie passiert.)
Ich bin nach wie vor der Meinung, dass diese FUJI eine klasse Kamera ist. (Das trifft bestimmt für das Nachfolgemodell, die X-T20 mit 24MP sogar noch mehr zu.) Doch sie ist nicht ganz mein Ding! Für spezielle Sachen wie z.B. für Zeitraffer, nehme ich sie gern. Und auch, wenn das Fotografieren unauffälliger geschehen soll, ist sie mir willkommen. Doch meine Hauptkamera muss anders sein – die Story geht weiter:

Denn da stach mir schon einige Zeit die Nikon D500 ins Auge. Das meiste mittlerweile gekaufte Zubehör würde passen, das Ding wäre auf der Höhe der Zeit und ich hätte wieder Nikon-Bedienfeeling. Nur der Preis …

… zum Glück kam irgendwann die D7500 heraus – und zwar mit (größtenteils) gleicher Technik und um einiges preiswerter. Billig ist das Teil nun aber trotzdem nicht. Die Verkäufer kennen die Schmerzgrenzen ziemlich gut. Doch egal: Ich habe jetzt wieder eine tolle Hauptkamera, die mir richtig gefällt. Mit einem schnellen und präzisen Autofokus und sehr gutem Handling. (4k-Video ist auch dabei.) Im Moment denke ich gar nicht daran, wie meine Technik-Story weitergehen könnte. Jetzt mache ich erstmal nur noch Bilder.

NIKON D7500
NIKON D7500 – Mein neuer Liebling.
NIKON for ever? – Wer den Artikel bis hier gelesen hat, wird erkennen, dass mir die Marke egal ist.

Zugabe

Wer nun denkt, dass das eigentlich reicht, der irrt. Denn neben den oben gezeigten Teilen gibt es noch einige weitere, z.B. aus der Abteilung Spezial- und Spaßkameras.
So manche D-Mark habe ich bei Polaroid umgesetzt. Sofortbilder sollen ja wieder im Trend sein – ich habe diesen Trend schon hinter mir 😉
Und eine GoPro HERO4 Silver musste ich auch noch ausprobieren. Die macht echt Spaß! Sogar mit Spezialzubehör für 360Grad-Panoramen …

Mit der Ricoh THETA S ist dann an dieser Stelle wirklich Schluss mit der persönlichen Fototechnikgeschichte.
Eines bleibt aber gewiss: es wird weitergehen!

Anmerkung aus dem April 2022:
Ja, ich habe es wieder getan, ich habe mir eine neue Kamera zugelegt … Wenn der Beitrag dazu fertig ist, gibt es also an dieser Stelle den Link dazu.