Mit Bahn und Boot von Oslo nach Bergen

Bei den vorbereitenden Recherchen zu unserem Südnorwegen-Urlaub stießen wir auf das Angebot von „Norway in a Nutshell®“. Hatten wir anfangs geplant, mit dem eigenen Auto unterwegs zu sein, so ließ uns die Idee, das Ganze auch mit öffentlichen Verkehrsmittel absolvieren zu können nicht mehr los und wir buchten schließlich für Anfang September die Strecke von Oslo nach Bergen mit Zwischenstopp und Übernachtung in Balestrand. Unseren großen Samsonite-Koffer ließen wir per „Porter Service“ separat nach Bergen transportieren, denn wir wollten möglichst unbeschwert, mit kleinem Gepäck, die Reise genießen.
(https://www.fjordtours.com/de/norwegen/touren/sognefjord-in-a-nutshell)
Anmerkung: Nach Oslo sind wir mit der Fähre ab Kiel gekommen. Das Auto blieb in Kiel. Nach einer Übernachtung in Oslo begannen wir die hier beschriebene Tour.
Siehe auch https://schaufoto.de/mit-der-color-magic-nach-oslo/ von vor 10 Jahren!

Von Oslo nach Myrdal

Kurz vor Einfahrt unseres Zuges kamen wir auf Bahnsteig 4 in Oslo an und wunderten uns über die vielen Mitreisenden, die schon warteten. Zum Glück hatten alle Platzkarten … trotzdem wurde es eine ziemliche Drängel- und Schieberei, bis sich alles gefunden hatte, denn die meisten hatten ihr großes Gepäck dabei und mussten erstmal zusehen, wohin damit.

Grafik aus Reiseunterlagen von fjordtours

Die Fahrt mit der voll besetzten Bergensbanen (https://de.wikipedia.org/wiki/Bergensbanen) verlief vorbildlich angenehm – und freilich auch pünktlich. Spätestens auf der Hochebene wurden die Fensterplätze sehr begehrt. Die ungewöhnliche Landschaft überraschte mit jeder Menge Wasser in allen Ebenen. Am Horizont konnten wir Gletscherzungen sehen.

Noch weit unterhalb der Hochebene.
Wow! – Gletscher in Sicht!
Massive Maßnahmen gegen Schneeverwehungen.
Manche Hütten haben sogar einen Whirlpool auf der Veranda.
Bahnhof Finse (Norwegen)
Informatives Bahnhofsschild.
(Allerdings ist dies nicht der höchste Punkt der Strecke. In irgend einem Tunnel sind es noch 10 Meter mehr.)
Finse (Norwegen)
Hat sich da jemand verfahren? (Finse)

Das Sehen wurde allerdings öfters durch Tunnel beeinträchtigt. Es gibt sogar Tunnel, die nicht durch einen Berg führen, sondern einfach nur gegen Schneeverwehung gebaut wurden. Was hier im Winter abgehen kann, ist wohl für uns Flachland-Mitteleuropäer kaum vorstellbar.

Nach Finse, dem vermeintlichen Höhepunkt (1222 HNH) dieser Bahnfahrt, fährt der Zug in einer rasanten Tunnelfahrt nach Myrdal auf 866 HNH. Der Bahnhof liegt im Freien, aber kurz nach den Bahnsteigen geht es wieder im Tunnel in Richtung Bergen weiter. Für uns ist Myrdal ein Umsteigebahnhof – und wie es aussieht, für die meisten Mitreisenden ebenso.

Mit der Flåmsbana nach Flåm

Dass die Flåmsbana mal aus wirtschaftlichen Gründen gebaut wurde, ist heute schwer nachvollziehbar. Dass man sie heutzutage wegen der zu erwartenden Touristen bauen würde, wäre aber noch unwahrscheinlicher. Dennoch: Die Flåmsbana macht auf dieser utopischen Strecke jedes Jahr mehrere Millionen Euro Gewinn.
Und auch uns lockte dieses Touristen-Highlight – als kleinstes Zwischenstück auf unserer Reise von Oslo nach Bergen. (Wenn wir schon mal hier sind.)

Bahnhof Myrdal (Norwegen)
Viele wollen wie wir umsteigen.
Bahnhof Myrdal (Norwegen)
Eine Lok zieht, eine weitere Lok schiebt.
Touristisch ausgebaut. Diesmal auch in Deutsch.
Fotostopp wegen eines Wasserfalls.
Flamsbana
Nicht alle steigen aus.
Das kulturelle Rahmenprogramm punktet mit größtmöglichem Farbkontrast.
… und weiter geht’s.
Flachland in Sicht.

Insgesamt war es uns dann aber doch etwas zu viel Massentourismus mit der Flåmsbana – und ja, ich weiß, ich bin selber mit dran Schuld. Doch das „Oh“ und „Ah“ bei den gebotenen Superlativen wollte sich nicht einstellen. Hatten wir schon bei der Anfahrt genug gesehen?
Auch in Flåm hielten wir uns weitestgehend von der gut ausgebauten touristischen Infrastruktur fern. Die Stunde Wartezeit verbrachte ich lieber in Ruhe auf einer Bank mit Sicht auf unsere Express-Fähre.

Das wird unser Boot.
Aber noch müssen wir warten.

Von Flåm nach Balestrand

Wer solche Reisen unternimmt, kennt vielleicht auch die TV-Serie „Wunderschön“ des WDR. Zum Thema Südnorwegen gibt es einen schön gemachten 90-Minuter mit der Tamina Kallert: „Vom Sognefjord nach Bergen“. (Zum Veröffentlichungsdatum dieses Beitrages noch in der Mediathek verfügbar.)

Ein besonderes Highlight war für mich das Thema Elektrofähre „Future of the Fjords“ (beginnt bei 13 min im o.g. Video). Und so stellten wir uns vor, genau wie die Tamina geräuschlos mit der Fähre durch das Fjordwasser zu ziehen. Denn im ganzen Film wird nur das Elektroboot gezeigt und nicht die Realität der tatsächlichen Koexistenz mit konventionell angetriebenen Fähren.
Also Pustekuchen. Unsere Express-Fähre hat gedieselt. Mit über 50 km/h ging es in Richtung Balestrand durch die beeindruckende Fjordlandschaft – und es war auch gut!

Flåm
Wir verlassen Flåm.
Ich hätte Angst in meinem kleinen Kanu.
Ein Norwegen-Moment.
Die dort sind stylisch & elektrisch unterwegs.
Den Wasserfall kann man nur zu Fuß, oder per Boot erreichen.
Balestrand (Norwegen)
Pünktliche Ankunft in Balestrand.

In Balestrand

Wir hätten mit unserer Express-Fähre auch einfach weiterfahren können und wären am Abend in Bergen angekommen. Doch Balestrand gilt als sehenswertester Ort am Sognefjord. Für Kaiser Wilhelm II. war es jahrelang das Ziel seiner Sommerfrische … da kann man doch mal nachgucken.
Zum Glück war das Tageslicht noch lange genug präsent. Unsere kleine Ortsrunde am Abend brachte eine reiche Bildausbeute. Man hätte hier gut noch einen vollen Tag verbringen können, auch ohne Auto …

Balestrand (Norwegen)
„Strand“ im Namen ist berechtigt.
Telesicht über den Fjord hinweg. Das gewaltige Hinterland wird so besonders sichtbar.
Balestrand (Norwegen)
Unser Hotel. Auf halbem Weg zum Hafen die Stabkirche.
Müssen wir dafür extra zahlen?
Hotel Kviknes, Balestrand, Norwegen
Ich finde es sensationell schön gebaut: Das Hotel „Kviknes“ wird oft mit Kaiser Wilhelm II. in Verbindung gebracht. Allerdings soll er hier nie übernachtet haben, er hatte ja immer seine kaiserliche Yacht dabei.
Hotel Kviknes, Balestrand, Norwegen
Badestelle des Hotels mit Sicht zur Stabkirche.
Balestrand, Norwegen
Hafen Balestrand mit Gipfelsichten. Da oben (1.400 m) ist tatsächlich Gletschereis zu sehen.
Balestrand, Norwegen
Auch moderne Architektur gibt es hier.
Stabkirche, Balestrand, Norwegen
Diese Stabkirche wurde für mich die Schönste im ganzen Urlaub.
(Auch wenn die anderen älter und authentischer gewesen sein sollen.)

Balestrand – Bergen

Früh um 8 ging es für uns am nächsten Morgen weiter.

Balestrand, Norwegen
Die Express-Fähre war etwas kleiner als am Vortag, machte aber auch richtig Betrieb!

Im Vorfeld hatte ich mehrfach vergeblich versucht herauszubekommen, wo die Fähre genau durch die Inselwelt bei Bergen langfährt. Bevor der Kurs in Richtung Süden ging, schaltete ich meinen GPS-Tracker ein. Jetzt weiß ich Bescheid:

Die rote Linie zeigt den Weg der letzten 122 km, die die Fähre mit mehreren Anlegepunkten in 2 Stunden und 40 Minuten bewältigte. (1) Flåm; (2) Balestrand
Karte: OpenStreetMap
Es ist zum Verzweifeln: Die Fotomotive hören einfach nicht auf.
Dahinter kommt der Nord-Atlantik.
Es wird eng! – Und dann noch Gegenverkehr?!
Es ist die „Aqua Fjord“, ein Spezialschiff für den Transport von Fischfutter für die Fischfarmen in dieser Gegend. ( https://www.aquaship.no/eng/feed-carriers#aqua-fjord )
Ab durch die Mitte!
Wir kommen langsam in die Vororte von Bergen.
Hochwasser kennen die hier nicht?
Idyllisch – aber auch irgendwie unwirklich, in welcher Menge solche Sichten hier zu haben sind. Wie werden die Leute auf all den kleinen Inseln versorgt?
Es wird städtischer.
Manchmal auch mit S-Kurven.
Auch wenn es anders aussieht: Das ist eine Sicht in Fahrtrichtung.
Bergen (Norwegen)
Unsere Ankunft in Bergen.
Hafen Bergen (Norwegen)
So hatte ich mir das vorgestellt: Offshore-Schiffe vor Bergener Bergkulisse.
Bergen (Norwegen), Ulriken
Mitten im Zentrum von Bergen legen wir an.
(Links der Floyen, rechts der Ulriken – da kommen wir auch noch hin)

Eines steht fest: Unsere Ankommens-Tour in Norwegen war reichhaltig und eindrucksvoll. Und wir sind sehr froh, solch gutes Wetter dabei gehabt zu haben.
… wie es weiter ging? Demnächst an dieser Stelle …

Mehr davon? https://schaufoto.de/category/norwegen/