Meine Fotojahrbücher (Teil 1 – Theorie)

Ein Fotobuch zu machen, mit den für mich wichtigsten Bildern eines ganzen Jahres – das ist eine naheliegende Idee, die wohl nicht nur ich gehabt habe. Als ich begann, diese Idee umzusetzen (2009), gab es schon einige Zeit Fotobücher in der Form, wie wir sie heute haben. Wenn auch noch nicht ganz in der (Software-)Perfektion wie heute.
Zum Glück machte ich mir damals schon Gedanken, wie eine Fotojahrbuch-Reihe aussehen könnte. Sprich: Welche Merkmale sollen mit jedem Jahrgang wiederholt werden? Welche Gestaltungsrichtlinien könnten über die Jahre Bestand haben?

Dabei ging ich davon aus, dass die Vorgaben nicht zu einschränkend sein dürfen – und dass das gesamte Erscheinungsbild wohl eher kleinteilig (wie in einem Notizbuch, Tagebuch) sein sollte.

Nicht alle Merkmale hatte ich mir gleich für das erste Jahrbuch ausgedacht und umgesetzt. Es war ein Prozess, in dem ich nach über zehn Jahren vieles klarer sehe, als am Anfang. Gleichwohl ist dies kein Nonplusultra. Jeder darf sich hier gern Anregung holen – und es anders machen 😉

Das Buchformat

Es geht um viele verschiedenartige Fotos. Um schnell gemachte Handyschnappschüsse, um Landschaftspanoramen, um Familienbilder, um Architektur – kurz, um alle möglichen Formate und Qualitäten. Nach meiner Erfahrung lassen sich solche Mixturen am besten auf quadratischen Flächen arrangieren. (Ein Querformat wäre mit dem Schwerpunkt Landschaftsfotografie sinvoll. Ein Hochformat, nahe A4, wäre vielleicht besser, wenn es mehr Text bei den Bildern geben soll.)

Das quadratische Format hatte ich schon vorher mit meinen Fotobüchern zu den Jahresurlauben gestalterisch schätzen gelernt. Da allerdings in der Größe 30 x 30 cm (aufgerundet). Die Jahrbücher sollten aber eher wie kleine Notizbücher wirken, die nicht viel Platz im Regal brauchen und die auch nicht so ins Geld gehen. Also 20 x 20 cm (abgerundet).

Ich habe im Laufe der Jahre mehrere Anbieter ausprobiert. Zum Glück bieten alle das 20er Format im Quadrat an (mit kleinen Abweichungen). Auch die verschiedenen Papiersorten, Veredelungen und Druckverfahren habe ich durchgespielt. Am besten gefällt mir seit ein paar Jahren der ganz normale „Digitaldruck Matt“ im Hardcover von CEWE. Das kommt im Ergebnis einem „richtigen Buch“ am nächsten.

Die Inhaltselemente

Hier folgen nun meine selbst auferlegten Vorgaben zur Gestaltung der einzelnen Inhaltselemente, an die ich mich bei meiner Fotojahrbuch-Reihe halte.

Foto

Viele Fotos auf engem Raum, da gibt es auch mal gegenseitige Überlagerungen. Das führt schnell zur optischen Überforderung beim Betrachten. Deshalb grenze ich die einzelnen Bilder durch einen weißen Rand von einander ab. Dabei hat sich eine Randstärke von 0,8 mm als gut erwiesen. Die Randzuweisung habe ich mir als Standard definiert. [Dekorieren / Farbrand – als gespeicherten Standard verwenden]

Grafik

Grafische Elemente wie Wappen, Logos und Karten dienen der Auflockerung und Bereicherung. Das Schöne dabei ist, dass man diese Elemente sich oft ganz einfach aus dem Internet holen kann … mehr dazu im Praxisteil!

Text

Das Jahrbuch ist durch große Überschriften mit den Monatsnamen unterteilt. Dafür wird eine plakative Schriftart verwendet. Diese Schrift wird auch für die Jahreszahl auf dem Cover verwendet.
Es gibt weitere zwei Arten von Text:
Erklärtext, der meist gut lesbar auf dem Hintergrund platziert wird. Die Schriftfarbe ist entweder Weiß oder ein dunkles Grau. Die Schriftgröße ist deutlich größer als der Bemerkungstext.
Bemerkungstext wird auch auf Bildern platziert. Da freilich nur, wo er gut lesbar ist. Die Schriftart ist gleich dem Erklärtext aber in der Schriftgröße deutlich kleiner.
Bei jedem Jahrgang probiere ich neue Schriftarten aus.

Hintergrund

Als Hintergrund wird auf jeder Seite eine Farbe verwendet, die zum Thema passt. Gibt es zu einem Thema mehrere Seiten, dann haben diese Seiten die gleiche Hintergrundfarbe. Fotos oder Grafiken als Hintergrund sind in meinen Jahrbüchern die absolute Ausnahme.

Cover

Das Cover besteht aus Hintergrundfarbe, Jahreszahl, Buchrücken-Beschriftung und Banderole. Von der Idee, die Banderole bei jedem Band an gleicher Stelle in gleicher Größe zu positionieren, habe ich mich schnell verabschiedet. Nicht zu vermeidende minimale Abweichungen würden mich mehr ärgern, als es von vornherein freizügig anzugehen.
Die Bilder in der Banderole sind Screenshots einiger Doppelseiten des Buches – Das Cover wird also ganz zum Schluss gemacht. Siehe Praxisteil!

Diese ganzen Vorgaben mögen einschränkend wirken, aber sie erleichtern und beschleunigen ungemein die gestalterische Arbeit. Und außerhalb dieser Reihe kann man sich ja wieder andere Gestaltungsrichtlinien ausdenken. So habe ich z.B. bei einem Urlaubsfotobuch alle Bilder ohne Zwischenräume flächendeckend angeordnet. Bei einem anderen gibt es auf jeder rechten Seite ein einziges, formatfüllendes Bild. Die linke Seite zeigt kleinere Fotos und den Text … Auf jeden Fall wirken nach solchen Richtlinien gemachte Fotobücher in sich geschlossen und wirken professioneller.

sonst noch …

Das Fotobuch wird Seite für Seite chronologisch aufgebaut. Eine Liste mit den zu erwartenden Themen kann sehr hilfreich sein. Spätestens wenn ich beim Oktober angelangt bin, schaue ich, wieviel Seiten das Buch insgesamt haben könnte. Da man immer nur 4 Seiten mit einem Mal hinzufügen kann, muss man entscheiden, wieviel Seiten jedes der Rest-Themen einnehmen soll, damit es am Ende aufgeht.

Ich habe mir angewöhnt, die allererste Seite bis zum Schluss freizuhalten. Oft gibt es noch ein Bild oder ein Thema, das nicht seinen Platz gefunden hat, aber nicht fehlen soll. Mit einem entsprechenden Kommentar ist es dann auf der ersten Seite doch noch zeigbar.

Die Fotojahrbücher machen sehr viel Arbeit. Und nicht immer hat man Zeit und Lust dazu. Mittlerweile liege ich bei fast zwei Jahren Zeitverzug – was nicht unbedingt schlimm ist. Man hat dann nämlich einen abgeklärten Blick auf die Dinge, wichtet und beschriftet anders. Manchmal mit leichtem Orakel-Unterton, weil man weiß, wie es weiter gegangen ist.
Deshalb habe ich mir auch angewöhnt, auf der letzten Seite den Redaktionsschluss anzugeben.

Nun sind es bei mir zwölf Fotobuch-Jahrgänge geworden. Und jede vor dem Computer verhockte Stunde war es Wert! Familienintern sind die Bände eine Institution geworden, wenn es ums gemeinsame Erinnern geht.