Ich kann mich nicht erinnern, Torgau jemals als touristisches Ziel auf dem Schirm gehabt zu haben. Nun ergab sich aber für mich die Gelegenheit, bei einer organisierten Busfahrt diese nordsächsische Stadt im Chrashkurs kennenzulernen. Chrashkurs deshalb, weil wir den gesamten Aufenthalt mit einer Stadtführung verbrachten, lediglich durch eine Mittagspause unterbrochen. (Und vor der Heimfahrt gab es noch unter wohltuendem Baumschatten ein Kaffeetrinken auf dem Schlosshof.)
Was da alles an Interessantem und Sehenswertem auf uns einprasselte, war schon beachtlich. Torgau bietet auf engem Raum jede Menge Storys zur (Welt!)Geschichte und präsentiert diese mit erfreulicher Qualität. Mir hat dieser Torgau-Tag, auch Dank der intensiven Stadtführung, mehr gegeben, als erwartet.
Erstes „Aha“ kurz vor dem Markt: Das ähnelt doch sehr der Weißenfelser Mohrenapotheke – oder? ( https://schaufoto.de/mohren-apotheke/ )Der Torgauer Markt mit stattlichem Renaissance-Rathaus. So gehört sich das: Ein ordentlicher Brunnen mit Symbolgehalt auf dem Markt.Noch mehr Symbolik am wunderschön hergerichteten Rathaus-Erker.Da kann man auch genauer hinsehen, ohne enttäuscht zu werden.Auch gleich am Markt: Das älteste Spielwarengeschäft Deutschlands.Die Russen waren hier … dazu später mehr.Obligatorisches Altar-Foto aus der Stadtkirche St. MarienAuch in der Stadtkirche: Epitaph der Katharina von Bora (Martin Luthers Frau). Uns Weißenfelser irritiert, dass da „… von Borau“ steht. Borau ist ein Ortsteil von Weißenfels.Stichwort Katharina von Bora: Mittagspause machen wir ganz solide bei „Herr Käthe“, so nannte Martin Luther seine resolute Frau, die eindeutig in Sachen Haushaltsführung die Hosen anhatte.Im Bürgermeister-Ringenhain-Haus gibt es (nicht nur) diese Kassetten-Engelsdecke zu sehen.Bevor wir ins Schloss Hartenfels gelangen, begucken wir den großen Bärenzwinger. (Hier ist nicht einmal die Hälfte zu sehen.)So ist es richtig, bei dieser Hitze!Torgauer Bärentatze (auch kulinarisch interessant)Wappenprunk über dem Schlossportal.Akribisch in 3D ausgearbeitet.Was für ein Schlosshof! (Mit extravaganter Wendeltreppe „Großer Wendelstein“.)Gewagt – und gelungen!Mit „nichts“ in der Mitte.Was das wieder kostet …Die Geschichte hierzu kenne ich nicht.Und noch ein Prunkstück im Schlosshof: Der Schöne Erker.Ob das alles schon so schön aussah, als „unser“ Heinrich Schütz hier wirkte? (siehe auch https://schaufoto.de/wandelkonzert-mit-schuetz-und-luther/ )Schlosskapelle – die einzige von Martin Luther geweihte KircheIm Schloss- oder besser Festungskeller: Lapidarium (Hier stehen die Originale vieler Figuren, die man draußen als neue Nachbildung sieht.)Noch so ein Prunkportal.Die neuere Geschichte findet sich auch steingeworden wieder.Das „Denkmal der Begegnung“ zwischen Amerikanern und Sowjets gegen Ende des 2. Weltkrieges sollte, wenn es nach Stalin gegangen wäre, einen Panzer oben drauf haben. Der Bildhauer meinte aber, es solle kein Kriegsdenkmal sein, sondern eines für den Frieden … mutig!Das historische (wenn auch nachträglich gestellte) Foto, das ich noch im (DDR-)Hinterkopf habe, begegnete uns nur in dieser Form in Torgau. Es gibt jede Menge Storys drumherum. Unter anderem von einem beteiligten Amerikaner, der sich unbedingt in Torgau beerdigen lassen wollte, und dies sogar zu DDR-Zeiten bewilligt bekam.Gleich gegenüber des „Denkmales der Begegnung“: Der DDR-Führung war das sowjetisch initiierte Denkmal wohl nicht eindeutig genug – und setzte dieses noch dazu.Der Ort der Begegnung. Die Brücke ist neu.