Zwei Opernhaus-Besichtigungen (Teil 1)

Bayreuth ist weltbekannt für sein Festspielhaus, das unlösbar mit dem Namen Richard Wagner verbunden ist. Weniger bekannt ist, dass es eine Vorgeschichte gibt, die auch aus heutiger Sicht beachtlich ist. Immerhin darf sich der „Vorgängerbau“ mit dem Titel „UNESCO Welterbe“ zieren.

Wir waren auf einer 3-Tage-Tour in Bayreuth und hatten online eine Führung im Festspielhaus gebucht. Das barocke Opernhaus im Stadtzentrum war da noch gar nicht so richtig auf unserem Plan – aber das änderte sich, als wir vom Welterbe-Status und der Verbindung zum Festspielhaus hörten.
Wir besuchten also beide Häuser – und zwar jeweils mit einer Führung. Das ist wichtig, wenn man die folgend gezeigten Eindrücke nachvollziehen möchte! Denn ohne Führung kommt man nicht so weit hinein.

Ebenfalls wichtig ist die Jahreszeit: Das Festspielhaus ist bei Führungen nicht immer so zugänglich, wie ich es hier zeigen kann. (Teil 2) Nach Weihnachten beginnen die Arbeiten am Bühnenbild für die nächste Spielzeit. Weshalb man dann (auch mit einer Führung) nicht mehr auf die Bühne gelangt – so jedenfalls die Info bei unserer erlebten Besichtigung.

Ich beginne mit dem Markgräflichen Opernhaus. Denn dieses Opernhaus ist der Ausgangspunkt der hier zu erzählenden Geschichte.
Das Opernhaus wurde für eine fürstliche Hochzeit innerhalb von vier Jahren gebaut (1744-48). Das barock-herrschaftliche Selbstverständnis setzte den Maßstab: Koste es, was es wolle! Bei den Hochzeits-Festivitäten fanden hier mindestens vier große Aufführungen statt. In den folgenden zehn Jahren wurden es allerdings insgesamt nur noch zehn weitere Aufführungen. Spätere Nachkommen bewerteten den Unterhalt als zu aufwändig – das Opernhaus wurde, wenn überhaupt, artfremd verwendet und geriet fast in Vergessenheit.
Und das war gut so, aus konservatorischer Sicht. Während vergleichbare barocke Opernhäuser beinahe alle der Reihe nach abbrannten, konnte das Bayreuther Opernhaus bis zur Erfindung des elektrischen Lichtes überdauern und ist uns somit noch heute (außer der Bühnentechnik) in alter Pracht erhalten. Seit 2012 mit dem Titel „UNESCO Welterbe“!

Als Richard Wagner auf der Suche nach einem ihm genehmen Festspielplatz nach Bayreuth kam, um sich das empfohlene Markgräfliche Opernhaus anzuschauen, war ihm zwar das Haus nicht passend genug, aber ihm gefiel die Stadt – und die Option, ein Grundstück für die Umsetzung seiner Ideen bekommen zu können.
Dank seiner Mäzene und begeisterter Anhänger gelang das Vorhaben vollumfänglich. Richard Wagner ließ sich für seine große Kunst, nach seinen Ideen, ein großartiges Festspielhaus bauen. Ein Festspielhaus, in dem nur seine Werke aufgeführt werden sollten – welch selbstbewusster Größenwahn!
An Wagners 59. Geburtstag fand die Grundsteinlegung des Neubaues auf dem Grünen Hügel statt – und zu diesem Anlass dirigierte Richard Wagner im Markgräflichen Opernhaus höchstpersönlich Beethovens 9. Sinfonie.

Das Markgräfliche Opernhaus Bayreuth

Sicht vom Turm der Schlosskirche (Harmoniehof): Rechts das große Gebäude ist das Opernhaus. Links davon das Museum zum Markgräflichen Opernhaus. Dort geht man hinein, wenn man ins Opernhaus will.
(Der Turm der Schlosskirche ist nicht frei zugänglich, sondern nur innerhalb einer Stadtführung besteigbar.)
Am Modell wird der Grundaufbau klar: Massive äußere Steinhülle, gedeckelt mit einer aufwändigen, freitragenden Dachkonstruktion, ausgebaut mit Holzkonstruktionen.
Der Vorraum ist betont schlicht gehalten.

Wer an einer Führung teilnimmt, bekommt die Treppe zur Fürstenloge geöffnet – und erhält diesen ersten Eindruck:

Frappant, wie dieser kitschige Barock noch heute wirkt: WOW!
Man kann davon ausgehen, dass das Ganze zur Eröffnung noch strahlender aussah.
Die Fürstenloge. Der gewollte Mittelpunkt des ganzen Hauses.
Die „Ranghöheren“ saßen weiter unten, auf Augenhöhe des Fürsten.
1. Rang, vorn rechts. Die Kulissen werden in ihrer Staffelung erkennbar.
Die Troddeln links oben sind aus Holz, wie eigentlich aller Zierrat in diesem Saal.
Im wahren Sinn des Wortes „hinter den Kulissen“.
Und das alles hat Wagner nicht genügt? (Er hatte seine Gründe … mehr dazu in Teil 2!)
Die Kulissen wurden nach Entwürfen aus der Zeit der Einweihung neu erstellt und sind im Regelbetrieb des Opernhauses als Museum fest montiert.
Im angeschlossenem Museum kann man sich als Kulissenschieber betätigen.

Wir erlebten eine hochinteressante, exzellente Führung und können auch das dazugehörige Museum sehr empfehlen.